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Der klaffende Spalt am Meeresboden am Golf von Mexiko

ist eine Ölkatastrophe und wir müssen alles tun, um das Loch zu stopfen,

denn das Stopfen des Loches ist die Lösung des Problems

 

Der klaffende Spalt am Meeresboden hat nichts zu tun

mit dem klaffenden Spalt im Panzer unseres äonenlangen Verdrängens

von Trauer, Angst, Verzweiflung, Wut, Ratlosigkeit

 

Wir, du, ich, sind machtlos gegenüber der „Ölkatastrophe“,

wir sind machtlos gegenüber Umweltkatastrophen,

denn Umweltkatastrophen sind ja keine Innenweltkatastrophen

 

Umweltzerstörung und Lebensvernichtung sind nicht Spiegel dessen,

was jede(r) von uns im Innern mit sich selber macht

und machen lässt

 

All die unliebsamen Gefühle,

das ungeli(e)bte Leben, der verbotene Eros,

die wir missachten und missbrauchen und verdrängen

und in dunkle Verliese in unserem Innern zurückdrängen,

mit Macht und Tabletten und Alkohol und Rauchen –

sie ruhen dort, verschwinden, lösen sich in Luft auf

und haben keinen Anteil an dem, was in der Welt geschieht

 

Die Kriege, mit denen die, denen wir unsere Macht überlassen,

die Welt überziehen,

sie haben nichts zu tun mit all der Wut und Verzweiflung,

die wir, du und ich, unterdrücken.

Auch die Revolutionen nicht, die Holocausts und anderen Völkermorde,

auch die Amokläufe nicht, die Kindesmisshandlungen –

all das sind seltsam unverständliche Verirrungen

von zivilisierten und vernünftigen Menschen,

die kaum, wenn überhaupt, nachzuvollziehen sind

 

Das einzige, was uns bleibt, ist: möglichst wegsehen und wegfühlen

von unserer Angst und Wut und Trauer und Verzweiflung und Ratlosigkeit.

Das Hinschauen macht viel zu viel Angst und Verzweiflung und Wut und

Trauer und Ratslosigkeit -

die dürfen wir niemals erlauben

 

Wenn wir nur lange genug wegsehen und wegfühlen

wird es schon irgendwie weiter gehen


Wir sind schließlich ohnmächtig gegenüber denen,

denen wir unsere Macht überlassen haben

 

Macht bedeutet immer Gewalt, niemals:

unsere Kraft zu uns nehmen,

für das gehen, was uns wirklich am Herzen liegt,

unsere Angst umarmen und mit der Angst geh'n

bis sie gegangen ist

Mit Liebe und Klarheit und Zivilcourage

das Leben umarmen, wirklich JA zum Leben sagen, unsere Visionen leben

 

Wir müssen etwas TUN

Ratlosigkeit, Nichtwissen, Verzweiflung, Unerträglichkeit –

all das muss um jeden Preis verdrängt werden, sonst ...


sonst ...

sonst ...

 

'Das ist der Schmerz der Erde.

Sie lieben ihren Schmerz, sie wollen ihn nicht loslassen.

Schau mal, ich werd dir was zeigen,' sagte Ma zu Gringo.

Unvermittelt fanden sich beide wieder auf der Straße einer Großstadt.

Eine riesige graue endlose Menschenmenge,

plötzlich war Gringo mittendrin.

'Nein, Ma, nein! Ich will nicht nochmals diese Straße hinabgehen,

die Metro nehmen, all die Gesten wiederaufnehmen ...'

Ma sagte nichts.

Plötzlich erschien Rani, in Jeans und mit ihrem wehenden Pferdeschwanz,

ganz rosig, als ob sie gerannt wäre.

'Oh es war so toll, ich habe ...'

Brüsk hielt sie inne.

'Aber was ist das hier? Was haben sie denn alle? ... Aber das ist ja verrückt!'

Sie packte Gringo am Arm und schüttelte ihn:

'Das ist verrückt! Sag mir, dass es verrückt ist!'

Gringo sagte nichts.

'Sieh doch, Gringo ...'

Sie schaute nach rechts und schaute nach links.

Und plötzlich kullerten Tränen über ihre Wangen.

Sie schüttelte wortlos den Kopf.

Es lag alles unter einem Schleier, grauenvoll,

Männer ohne Zahl, mit ihren Aktentaschen unter dem Arm,

Frauen ohne Zahl mit ihren spitzen Schuhen.

Gringo sagte nichts, er schaute nur.

Er schaute, bis ihm fast die Augen aus dem Kopf fielen,

mit einem so tiefen Schmerz in seinem Herzen,

als würge er Tode und Tode hinunter und endlose Schmerzen und

Tausende von Schatten.

'Das ist entsetzlich,' murmelte Gringo.


Dann stieß er einen so markerschütternden Schrei aus,

dass die ganze Menge augenblicklich stehenblieb, als ob ihr eigenes Herz schrie.


Sie drehten sich um. Sie schauten nach links, schauten nach rechts.

Sie schauten und schauten. Anstelle der Augen gähnten zwei schwarze Löcher im Gesicht.

Und auf einmal sahen sie ihren Abgrund.

 

Ein unheimliches Schweigen fiel auf die aus ihrer Routine gerissene Menge.

 

Und Gringo schrie.

Er schrie aus der Tiefe der endlosen Tode, der erdrosselten Körper,

der geschundenen und vergewaltigen Körper.

Aus der Tiefe jener unzähligen unbarmherzigen Nächte,

aus der Tiefe der leeren Herzen ohne Zahl.

 

 

Nochmals schaute die Menge, von wo dieser Schrei kam.


Und plötzlich sah sie in ihr Herz.

Auf einen Schlag sah sie ihre Nacht.

Ihre schwarzen Augen rollten zu Boden.

Es glomm eine Flamme darin. Ein kleines Etwas.


Ein Kind schrie. Ein zweites Kind schrie.

Und sie ließen ihre Bücher, ihre schwarzen Aktentaschen fallen.

Die Arme sanken ihnen zu Boden.


Die Minute null.


Dann murmelte Rani wie eine Schlafwandlerin,

mit einem ganz kleinen Seufzer, einem ganz leisen Schrei am Ende: 'Aua'

Ein kaum hörbarer Schrei.


Und den Menschen gingen ihre Augen des Lichts auf.


Da erfasste ein ungeheurer Schrei die Erde,

und aus dem Grunde des Todes schrien sie:


A U A A A


Ein Schattenmantel fiel von ihren Schultern


(frei nach: Gringo, von Satprem)



Geschrieben (bis "sonst ...") bzw. zusammengestellt (Zitate aus "Gringo"):

Petra Mecklenburg

Juni 2010

 

Text als pdf

 

Eine Erinnerung und Einladung als pdf

Zitat von Satprem aus "Evolution II":

"Doch dieser arme Mensch schreitet Schritt für Schritt weiter in der Nacht und im Gewühl,

er kennt sein eigenes Geheimnis nicht, er weiß nicht, daß dieses Brennen im Herzen,

die nach innen gekehrten Tränen, das Stolpern ohne Antwort bereits die eigentliche Antwort ist,

die wächst und wächst, ohne Worte, ohne Evangelium, brennend wie das erste kleine Feuer,

das all diese Zeitalter und Schmerzen in Bewegung brachte, auf diesen unsäglichen Spannungspunkt zu, wo das Wesen, ein Wesen, endlich aus seinem alten Panzer ausbricht, Meister seiner eigenen Macht, ohne die anderen zu erdrücken, Kenner seiner eigenen Welt ohne Kunstgriffe,

Liebender von allem, was lebt, ohne tödliche oder unsterbliche Gesetze zu erlassen, denn es weiß, was unter all unseren fruchtbaren Fehlern und Fehltritten in der Nacht reift und wächst.

Lerne zu brennen, wird es einfach sagen."

 

Benutze alles, um das Feuer innen zu entfachen.

Und das Ziel ist gewiß, denn es entbrannte mit dem ersten Stern."